Vereisung des Atemreglers

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Warum vereisen Atemregler?

 

Der Atemregler reduziert den hohen Druck in der Flasche auf Umgebungsdruck – und dies in zwei Stufen. Bei dieser Druckentspannung (Joule-Thomson-Effekt) sinkt die Temperatur so stark, dass das Gas im Regler hohe Minusgrade erreicht. Dadurch können eine ganze Reihe von Ausrüstungsteile vereisen, wie z.B.: die erste Stufe, die zweite Stufe, Ventile oder sogar der Inflator. Die Folge ist, dass der Atemregler oder der Inflator schließen nicht mehr komplett und blasen dauerhaft ab. Oft ist eine Vereisung schon in ihrer Entstehung spürbar: Der Atemregler schließt beim Beenden der Einatmung nicht mehr exakt.

Schon alleine die Betätigung des Inflators, die Luft am Ausgang der ersten Stufe auf über -22 Grad abkühlen lässt. Wird parallel dazu geatmet, kommt schnell -30 Grad und mehr zustande. Das verkraften viele zweite Stufen oder auch der Inflator nicht und es kommt zu Eisbildung.

 

Es folgt daraus:

  • Der Einfluss des Inflators auf die Vereisung wird oft unterschätzt. Kritisch sind in diesem Fall schnelle Abstiege im Kaltwasser mit längerer Betätigung des Inflators am Ende der Abtauchphase.
  • Nasstaucher sollten den Inflatorschlauch nicht am Hauptregler, sondern am Zweitregler anbringen und somit ist die Abkühlung auf zwei erste Stufen verteilt.
  • Trockentaucher sollten den Füllschlauch des Haupttariermittels am Zweitregler anbringen.

Vorteil in diesem Fall haben die Trimixtaucher. Da sich Helium bei Entspannung umgekehrt verhält wie Luft – das heißt, bei Druckentspannung wird es wärmer, wird bei der Verwendung von Trimix die Abkühlung deutlich reduziert.

 

Praxistipps:

  • Ventil vor dem Tauchen immer ganz aufdrehen (nicht wie früher, wieder eine halbe Umdrehung zurück). Beim Griff nach Hinten weiß man dann sofort, in welche Richtung das Handrad zu schließen ist.
  • Atemregler vor dem Tauchen trocken halten – nasse Atemregler vereisen bei Lufttemperaturen um den Gefrierpunkt schon am Land. Ein am Land vereister Regler kann mit lauwarmem Wasser wieder aufgetaut werden.
  • Aus gleichem Grund werden Tauchgeräte zwischen zwei Tauchgängen einfach im Wasser gelassen. Auch hier ist eine äußere Vereisung durch Minusgrade der Luft ausgeschlossen.
  • Die zweite Stufe des Zweitreglers in Brusthöhe anbringen, damit man selbst gut zugreifen kann. Zweite Stufe so montieren, dass man sie selbst gut nutzen kann (und nicht falsch herum für den Partner).

 

Was tun wenn der Regler vereist?

Man dreht das Ventil zu und Steigt auf den Zweitregler um. Wie man das genau macht, zeigen die folgenden Punkte:

  1. Zudrehen des Ventils zunächst im Flachwasser unter Aufsicht des Tauchpartners üben.
  2. Tasten, ob der Zweitregler in Position ist (diesen immer im Brustbereich fixieren).
  3. Ventil am Hauptregler schließen. Der Hauptregler bleibt während dieser Phase zunächst noch im Mund.
  4. Wenn Ventil geschlossen – Umstieg auf Zweitregler.
  5. Aufstieg in Deko- oder Flachwasserbereich.
  6. Eventuell kann nach drei bis vier Minuten probiert werden, ob der Hauptregler wieder funktioniert.
  7. Tauchgang nur im flacheren Bereich fortsetzen, wo jederzeit ein Auftauchen möglich ist.
  8. Grund für Vereisung analysieren und vermutete Ursachen abstellen – oft sind es Wartungsmängel.

Das zudrehen des Ventils, der Umstieg auf Zweitregler und gegebenenfalls die Hilfe durch den Tauchpartner müssen im Flachwasser so oft geübt werden, dass es bei aufkommender Hektik sicher und fundiert funktioniert. Notfallprozeduren müssen „blind“ funktionieren.